1335 ließ der polnische König Kazimierz III. vor den Stadtmauern Krakaus eine Stadt anlegen, in die die Krakauer Juden nach einem Progrom im Jahr 1494 umgesiedelt wurden. Nach dem Überfall auf Polen errichteten die Nazis 1940 in Kazimierz eines der größten Ghettos in Polen. Wenige Kilometer vor der Stadt entstanden kurz darauf das Konzentrationslager Auschwitz und das Vernichtungslager Birkenau, in dem mehr als 1,45 Millionen Menschen vergast wurden. Die vor dem Krieg noch rund 75 000 Mitgliedern zählende Gemeinde zählt heute noch etwa 200 Köpfe.
Mit der Remuh- Synagoge besichtigen Sie die einzige Krakauer Synagoge, die von der jüdischen Gemeinde noch heute benutzt wird. Hinter der Synagoge befindet sich der alte jüdische Friedhof von 1533, dessen Grabsteine von Gemeindemitgliedern im Dritten Reich sorgfältig versteckt wurden. Anschließend laufen Sie durch das jüdische Viertel, sehen das alte jüdische Badehaus und zahlreiche weitere Spuren der jüdischen Vergangenheit. In der ul. Berka-Joselewicza 5 etwa erinnert eine Tafel an den Tischler und Verfasser vieler jiddischer Lieder Mordechaj Gebirtig, der 1942 im Krakauer Ghetto erschossen wurde. Wenn Sie Steven Spielbergs ‚Schindlers Liste' kennen, werden Sie hier die Originalschauplätze ohne Mühe wiedererkennen können.
Es sei Ihnen anempfohlen, Kazimierz nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal auf eigene Faust zu besuchen. Sie werden feststellen, dass die Straßenbeleuchtung hier noch immer schummriger als in anderen Teilen der Stadt ist. In die quicklebendige Innenseite des äußerlich unheimlichen und magischen Viertels tauchen Sie ein, sobald Sie in eines der vielen Cafés und Lokale eintreten, die die Straßen des Viertels säumen. Sie heißen Alchemia, Propaganda oder Singer - letztere eine legendäre Bar, in der Sie an alten Singer-Nähmaschinen Platz nehmen können.